Weitergedacht und Weitergebaut
Mit ihrer klaren Hofstruktur und reduzierten, charakteristischen Materialität ist die Volksschule ein Landmark in der Vorarlberger Architekturgeschichte. Sie gilt als Geburtsstunde der Architektengemeinschaft C4 und wurde 1967 beim allerersten ZV Bauherrenpreis ausgezeichnet. 2004 wurde das Gebäude nach Entwürfen von Bruno Spagolla erweitert, respektvoll mit einem aufgeständerten nordseitigen Klassentrakt, um die strukturelle Klarheit des Bestandes nicht zu beeinträchtigen. Und auch die nunmehrige dritte Bauphase von Fink Thurnher Architekten – die wir bei diesem Preis auszeichnen – drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern verleiht dem gesamten Ensemble noch mehr Selbstverständlichkeit.
In den 1960er Jahren waren die quadratischen Grundrisse der Klassenräume und die kindgerechte Maßstäblichkeit am Puls der Zeit. Heute entsprechen die älteren Schultrakte mit ihrer Aneinanderreihung von Zimmern entlang eines Ganges nicht mehr den aktuellen pädagogischen Anforderungen. Deshalb wurden bei der Ausschreibung des Wettbewerbs für die dritte Erweiterungsphase grobe Eingriffe in Kauf genommen. Bis die siegreichen Architekten mit einer Königsidee den Blick aller Beteiligten grundlegend veränderten. Sie schlugen vor, die Kindergartennutzung in den historischen Trakt zu verlegen und die neuen Klassenzimmer für die Volksschule im Erweiterungsbau unterzubringen. So entstand ein moderner Bildungscampus, ohne funktionale Abstriche und ohne Verletzung des Bestands. Ein Musterbeispiel dafür, wie ein Wettbewerbsverfahren zu baukulturell herausragenden Lösungen führen kann.
Das neue Gebäude verneigt sich nicht nur gegenüber dem historischen C4 Bau, sondern zeigt auch großen Respekt vor der zweiten Bauphase, mit dem es sich zu einem ringförmigen Schulcluster verbindet. Die Erweiterung nimmt Zitate des Vorhandenen auf, aber nicht postmodern laut, sondern als ob es schon immer so gewesen wäre.